Stadtrat Achim Wach: Haushalt 2026 November 2025
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Pressevertreter/in,
der Haushalt 2026 liegt vor – und er zeigt ein gemischtes Bild:
Rückblickend 2025 betrachtet hat die Stadt satte Mehreinnahme durch Gewerbesteuer von ca. 8 mEUR also ein durchaus erfreuliches Bild. Damit entzieht sich Markgröningen dem allgemeinen Trend der umliegenden Gemeinden, die unter der schlechten Konjunktur erheblich mehr leiden. Mehr noch, mit den Mehreinnahmen wurde eine Sondertilgung getätigt, die den Verschuldungsgrad von Markgröningen reduziert – gut so.
Nun zu 2026: Vielen Dank an alle Beteiligten, die sich viele Gedanken um unsere Stadt machen und das in Form eines Finanzplanes festschreiben. Die Einnahmen steigen auf rund 54,6 Millionen Euro, das entspricht einem Plus von 6,7% ggü. 2025. Auf den ersten Blick klingt das nach Stabilität, vielleicht sogar nach Erfolg. Doch beim näheren Betrachten stellt man fest, dass die Aufwendungen mit 8,2% deutlich stärker steigen – auf 56,5 Millionen Euro. Unterm Strich steht also wieder ein negatives Ergebnis -1,0 mEUR, incl. einer pauschalen Reduzierung von 0,5 mEUR eingerechnet. Noch schlimmer wird das Jahr 2027 mit satten -7,5 mEUR im Ergebnis – verantwortlich sind im Wesentlichen die reduzierten finanziellen Zuweisungen. Dennoch vermittelbar an die Bürgerschaft ist das kaum.
Nun wohin fließen denn die Mittel in 2026? Die Investitionen z.B. mit immerhin einem Anstieg um ca. 45% von 5,1 mEUR auf 7,4 mEUR und verbleibt auf hohem Niveau. Beispiele sind: Sanierung Untere Kelter, Schießhäusle, Energiepark Markgröningen, Schäferweg Erneuerung, Sanierung Schulen, Kindergarten Villa Griesinger, ISEK (Integriertes Städte Entwicklungskonzept), Feuerwehr und Katastrophenschutz, um nur einige zu nennen. Sind diese Investitionen sichtbar für die Bürger? Diese Investitionen sind für viele Bürgerinnen und Bürger kaum sichtbar. Ich will damit nicht sagen, dass alles unnötig ist, aber von konsolidieren, konzentrieren oder sparen ist hier nicht viel zu spüren.
Wo sind die Projekte, die das tägliche Leben erleichtern? Wo sind die Maßnahmen, die Markgröningen tatsächlich moderner, lebenswerter und effizienter machen?
Wir investieren, aber es fehlt die erlebbare Wirkung. Das Vertrauen in die Finanzpolitik wächst nicht durch steigende Geldbeträge – sondern durch sichtbare Ergebnisse. Deshalb die dringende Bitte Projekte und Investitionen an die Bürgershaft zu kommunizieren „Tue Gutes und sprich darüber“.
Einsparungen: Immer wieder ist von Sparsamkeit die Rede – aber wo genau wurden denn Einsparungen umgesetzt? Wo sind die Bereiche, in denen Prozesse effizienter laufen, wo Strukturen gestrafft oder Aufgaben neu und effizient priorisiert wurden?
Wenn wir jedes Jahr mehr ausgeben und gleichzeitig von Konsolidierung und sparen sprechen, dann ist bzw. wird das unglaubwürdig.
Übrigens auch eine Forderung bzw. Auflage des Landratsamtes Stichwort „Verpflichtungsermächtigungen“.
Ein Beispiel, das viele im Ort bewegt, ist die LUCIE – die Nahverkehrsverbindung nach Ludwigsburg.
Rund 800.000 Euro jährlich sind hierfür von der Stadt eingeplant. Eine stolze Summe.
Doch das Ergebnis ist gleich Null. Für einen Außenstehenden nicht nachvollziehbar und für einen Insider, kaum glaubwürdig vermittelbar,
Die Bürgerinnen und Bürger sahen, sehen und werden keine Verbesserung des Nahverkehrs-Angebots sehen, keine spürbare Entlastung im Verkehr für Schüler, Pendler und Bürger.
Das Ziel, den Individualverkehr zu reduzieren, wird nicht erreicht – dafür laufen die Kosten jährlich weiter.
Hier braucht es dringend eine ehrliche Analyse: Ist dieses Projekt in seiner jetzigen Form tragfähig? Oder stecken wir gutes Geld in eine Lösung, die am Bedarf vorbeigeht?
Der Beschluss des Ludwigsburger Gemeinderats macht die Sache nicht einfacher. Zwar haben wir den Rückhalt Markgröningen Bahnhof zu Ludwigsburger Bahnhof, aber der Zweckverband wird wohl seine Ziele anpassen. Das wird mit Sicherheit einige Zeit dauern – Spekulation Monate, Jahre…. Damit ist die große Lösung des Landrats nicht umsetzbar. Der Landrat hat recht, wenn er eine große Lösung verlangt, aber „recht haben“ hilft leider den Bürgern von Markgröningen nicht, es zeigt, dass das Bürgers Verlangen den Verantwortlichen so „Wurst“ ist, wie die Verspätungen der Bahn.
Egal ob Bimmel-, Bammel-, oder Bummelbahn, die Bürger in MKG fragen sich, wann endlich unsere Stauzeiten reduzieren werden, wann können wir in die Bahn einsteigen. Mir kommt das vor wie das Bild des ertrinkenden der Rettung braucht, und man lapidar von der Brück zum Ertrinkenden sagt, „….hätte er mal in jungen Jahren Schwimmen gelernt“……….
Schauen wir auf die wirtschaftliche Lage unserer Region:
Der Automobilbranche, jahrzehntelang eine sichere Bank für Wohlstand und stabile Steuereinnahmen, geht es nicht mehr gut, leider eher ein strukturelles als ein konjunkturelles Problem.
Die Zeiten des Wachstums sind vorbei, viele Betriebe kämpfen mit der Transformation und dem Druck des Wechsels in die Elektromobilität.
Es ist gut, dass Markgröningen nicht direkt betroffen ist – keine großen Werke, keine dramatischen Arbeitsplatzverluste.
Aber die indirekten Folgen werden uns ebenfalls treffen: geringere Aufträge für Zulieferer, vorsichtigeres Konsumverhalten, sinkende Ausgabenfreude bei den Bürgern.
Gerade in dieser Phase ist eine maßvolle Haushaltspolitik gefragt.
Denn durch die verlockende Möglichkeiten Steuern und Gebühren anzuheben, wird die Gefahr groß dass Markgröningen zunehmend unattraktiv – für Familien, für Gewerbe, für Investoren wird.
Wir dürfen nicht glauben, dass man Attraktivität einfach durch Imagekampagnen herstellen kann.
Attraktivität entsteht dort, wo sich Investitionen lohnen, wo Verwaltung funktioniert, wo Bürger das Gefühl haben: „Mein Geld wird hier sinnvoll eingesetzt.“
Die Digitalisierung.
Seit Jahren sprechen wir darüber, sie sei der Schlüssel zu moderner Verwaltung, zu mehr Effizienz, zu besserem Bürgerservice.
Im Haushalt stehen 50.000 Euro pro Jahr für Digitalisierung.
Das ist auf dem Papier ein beachtlicher Betrag – aber die entscheidende Frage ist:
Wann und in welcher Form sieht der Bürger das Ergebnis?
Wann kann ich als Bürger Anträge online stellen, Termine problemlos buchen oder einfache Anliegen ohne Formularberge erledigen?
Wann entlastet die Digitalisierung die Mitarbeiter tatsächlich, statt neue Arbeitsschritte zu schaffen?
Hier brauchen wir konkrete Ziele, verbindliche Zeitpläne und vor allem Transparenz über den Fortschritt.
Digitalisierung darf kein Dauerprojekt bleiben, das jährlich Geld kostet, aber keinen sichtbaren Fortschritt und Kostenreduzierung bringt.
Ein schwieriges Thema ist das Stadtbad, da gibt’s keine einfache Lösung, denn eine Sanierung würde erhebliche Investitionen aufrufen. Deshalb die dringende Bitte sich am Förderprogramm des Bundes also am Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten zu beteiligen. Die „Digitale Einreichung“ der Projektskizze ist bis zum 15.01.2026 möglich.
Außerdem wurde das Sondervermögen des Bundes ausgerollt, es gab Einigung in der Finanzkommission. Damit erhalten die Gemeinden und Kreise in BW 66,6% aus dem Sondervermögen. Für Markgröningen sind das knappe 9 mEUR, das sollte für weiteren Spielraum in der Finanzplanung in den nächsten Jahren helfen oder vielleicht für Spielraum beim Stadtbad sorgen.
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass wir uns zu sehr auf das Verwalten konzentrieren und zu wenig auf das Gestalten.
Die Verbindung von Stadtverwaltung und Industrie, wie in einigen Projekten umgesetzt werden soll, ist der richtige Schritt in neue Themenstellungen.
Wir brauchen Mut – weil wir nicht gerne Fehler begehen – Fehler zu akzeptieren, diese zu analysieren, zu bewerten und sie beheben, anstelle die Fehler zu verwalten.
Wenn Ausgaben steigen, dann fragen wir nach dem „warum“ und versuchen das Problem zu lösen, anstatt die Steuern zu erhöhen.
Wir investieren in Markgröningen in innovative und zukunftsorientierte Projekte, deren Nutzen für den Bürger leider unklar bleibt – nehmt die Bürger mit und stellt den Mehrwert/Nutzen vor.
Ein Haushalt ist nicht nur eine Zahlensammlung, er ist ein Spiegel unserer Prioritäten.
Mein Appell lautet:
Lassen Sie uns gemeinsam den Mut haben, klare Schwerpunkte zu setzen.
Lassen Sie uns prüfen, wo wir sparen können, ohne Lebensqualität einzubüßen.
Und lassen Sie uns dafür sorgen, dass Investitionen sichtbar werden – für die Bürgerinnen und Bürger, die sie am Ende finanzieren.
Stellen sie Kommunikation mit den Bürgern an erster Stelle.
Nur so wird aus einem Haushalt ein Zukunftsplan – und nicht bloß ein Rechenwerk, das Jahr für Jahr größer wird.
Vielen Dank
Es gilt das gesprochene Wort
Die Haushaltszahlen beziehen sich auf den Stand Oktober 2025 und können vom aktuellen Stand abweichen